Freitag, 11. Dezember 2009

Religionen als beliebige Deutungsversuche zu Sein und Sinn, Kirchen als entsprechende identitätsstiftenden gemeinschaftbildenden Organisationen

Im Gegensatz zu naturwissenschaftlichen Theorien und Modellen, die auf der Basis empirischer Erkenntnisse und induktiver, jederzeit nachvollziehbarer Beweisführung, zu plausiblen "bewährten" kaum anfechtbaren Deutungen führen, basieren geisteswissenschaftliche Theorien und Modelle häufig auf nicht weiter beweisbaren subjektiven Erfahrungen, Überlieferungen und Traditionen oder auf der Autorität des vermittelnden Kommunikators.

Deshalb bestehen in geisteswissenschaftlichen Bereichen wie Psychologie, Soziologie und besonders in der allgemeinen Theologie eine Vielzahl, sich häufig widersprechende Modelle, die von ihren jeweiligen Vertretern gegenseitig aufs heftigste bekämpft werden. Anders gesagt: Religionen basieren auf Glauben, auf beliebigen, nicht weiter beweisbaren Grundannahmen. Kirchen organisieren diese Grundannahmen zu identitätsstiftenden Symbolen im Rahmen geschlossener Gemeinschaften.

Ganz offensichtlich besteht beim Menschen, seit seinem Bestehen, ein ausgeprägtes Bedürfnis zur Bildung von Gemeinschaften. Gemeinschaften dienen der Bestätigung seiner Identität und seiner gesellschaftlichen Rolle, sie vermitteln ihm emotionale Sicherheit und Geborgenheit. Für diese Sicherheit und Geborgenheit ist der Mensch bis zu einem Grad zur Selbstaufgabe gezwungen. In Extremfällen kann das bis zur Depersonalisierung und zur vollständigen Rückweisung der Welt ausserhalb seiner Gemeinschaft, führen. Das heisst, der Mensch ist bereit, um seiner emotionalen Sicherheit und Geborgenheit willen, identitätsstiftende Symbole und Verhaltensweisen mehr oder weniger zu assimilieren, seiner Identität hinzuzufügen.

Je nach Struktur und Organisationsgrad einer Gemeinschaft kann diese Assimilation sehr ausgeprägt und paradigmatisch sein. Das heisst, ausserhalb der Gemeinschaft bestehende Werthaltungen und Wertsysteme werden ausgeblendet, nicht konforme Wertvorstellungen abgelehnt oder sogar tabuisiert.

Je klarer, zusammenhängender und dichter die Struktur identitätsstiftender Symbole und Rituale ist, umso erfolgreicher ist die Gemeinschaftsbildung. Die Inhalte sind dabei eher nebensächlich, entscheidend ist das formale, identitätsbildende Geflecht. Bezeichnenderweise verfügen die erfolgreichsten Sekten und Kirchen über umfassende Regeln und Verhaltensvorschriften, die wie erwähnt, nicht weiter hinterfragt werden.

Diese Erkenntnisse sind wichtig bezüglich der Formulierung und Implementierung einer laizistischen Ethik in der Gesellschaft. Gelingt es dabei nicht Gemeinschaften mit starken Symbolen und Ritualen zu bilden, gelingt die allgemeine Anerkennung einer solchen Ethik nicht. Das ist beispielsweise auch der Grund für die relative Erfolglosigkeit der Freidenker und Humanisten, die es als denkende Individualisten bisher nicht oder höchstens in Ansätzen geschafft haben, identitätsstiftende Gemeinschaften auf der Basis einer religionsfreien Ethik zu bilden.

2 Kommentare:

  1. Leider muss ich feststellen dass sie mir nichts Neues erzählen.
    Dass wussten wir schon lange.
    Dieses Phänomen funktioniert nur wenn es eine Krise gibt.
    Solange es wirtschaftlich gut geht, glauben wir alle ans Geld.
    Wir vernichten die Erde und die Depersonalisierten sind nicht nur die Ungeschulten, nein es sind auch die Wirtschaft Bossen, und die Politiker.
    Den Depersonalisierte Bossen haben mehr Macht als die Deprivierten Mitarbeiter.
    Da heisst es; es gibt doch Demokratie? (Die Mehrheit bestimmt, manipuliert oder nicht manipuliert).
    Demokratie ist auch eine Glaubens Institution, womit wir Menschen weiter in den Dreck gezogen werden.
    Hören sie auf mit Artikeln schreiben,die schon so alt sind wie die Welt.
    Versuchen sie doch etwas wirklich Neues zu schreiben.

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  2. @anonym: Was Sie sagen, mag zwar für Sie gelten. Allerdings glauben durchaus nicht alle Menschen ans Geld - selbst wenn es der Wirtschaft gut geht. Gerade die Idee der Marktwirtschaft hat durchaus paradigmatischen Charakter (was ja auch Ihrer Äusserung hervorgeht), ist somit quasi Staatsreligion, die nicht weiter hinterfragt wird. Und die Auseinandersetzung mit der Macht ist so alt wie die Welt. Aber das heisst nicht, dass sie nicht mehr geführt werden soll. Denn nur Auseinandersetzung mit der Macht kann dazu führen, dass Macht verändert werden kann.

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