Mittwoch, 7. Juli 2010

Virtualität ersetzt nicht Realität

Der grösste Trugschluss dem Kulturoptimisten zu Opfer fallen, ist die Meinung Virtualität könne Realität ersetzen.

Das beste Beispiel dazu ist die mediale Kommunikation, TV, computerbasierte Kommunikation, Handy, Bildtelefonie. Alle diese Medien erzeugen zwar die Illusion von Nähe, lassen uns meinen, wir befänden uns im "global village". Tatsächlich erzeugen sie bloss eine Illusion von Nähe, die der Realität in der wir uns befinden nicht standhält. Diese Illusion verformen wir willkürlich in unserem Kopf, ohne dass wir dabei emotional so betroffen wären, dass wir physische Konsequenzen daraus ziehen würden. Der grösste Horrorfilm, der brutalste Kriegsfilm erzeugt höchstens ein fröstelndes Prickeln in uns - voll tödlicher Angst aus dem Film, aus dem Kino, entfliehen, würden wir nie.

Offenbar sind wir genetisch so programmiert, dass nur Ereignisse, die in unserem unmittelbaren physischen Umfeld vorkommen, Handlungsreaktionen auslösen. Möglicherweise ist das auf Strukturen in unserem Hirn zurück zu führen, die ausschliesslich auf die Sippe, auf die uns unmittelbar umgebenden Menschen ausgelegt sind.

Diese Beschränkung unserer Handlungsimpulse dient sicherlich auch unserem individuellem Überleben, aber sie hindert uns auch wirkungsvolle Lösungen globaler Probleme anzugehen.

Haiti ist weit, weit, weg von uns. Dass die Menschen dort hungern und trotz Monsun in Zelten vegetieren, kümmert uns nicht, es ist nicht unsere Sippe.

Der Golf von Mexico ist weit, weit weg von uns. Dass dort Leben und die Lebensgrundlage von Millionen Tieren, Pflanzen und Menschen zerstört wird, interessiert uns nicht, es ist nicht unsere Sippe.

Längst haben wir mittels Medien die Grenzen unserer Sippen überschritten, doch mit den Problemen, die damit entstanden sind, kommen wir nicht klar, können wir nicht klar kommen.

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