Dienstag, 26. Juli 2011

Gewaltlos gegen Gewalt

Gewalt kann nicht durch Gewalt überwunden werden, denn Gewalt erzeugt immer nur wieder Gegengewalt.

Deshalb gibt es nur eines: sich für eine umfassende Ächtung nicht legitimierter Gewalt einsetzen. Legitime Gewalt ist einzig und allein Gewalt, die im Rahmen der "Allgemeinen Menschenrechte" demokratisch ermächtigt ist.

Ächtung der Gewalt impliziert auch die Ächtung gewaltverherrlichender Spiele (Killergames usw.) und gewaltverherrlichenden Verhaltens, wobei Ächtung ein ethischer, normativer, nicht ein rechtlicher Imperativ bleiben soll.

Es soll uns fernliegen Gewalt verbieten zu wollen. Es gilt Gewalt, gewalttätiges Verhalten, Gewaltverherrrlichung, Gewaltdarstellungen (Fonosografie) usw. ganz einfach zu ächten, als geschmacklos, eklig, obszön, unpassend zur Gesellschaft diskretieren. Ganz einfach: Gewalt: Pfui! Fonosografie: Pfui!

Politische Änderungen sind ohne oder mit einem Minimum an Gewalt möglich durch Einigkeit und Solidarität. Gewaltloser Widerstand hat eine lange Tradition. Erinnert sei an Jaroslav Hašek's "Braver Soldat Schweyk" über Gandhi, Mandela bis zur Überwindung der fascho-kommunistischen Systeme in Osteuropa.

Sonntag, 20. März 2011

Es gibt kein RESTRISIKO, sondern nur ein RISIKOPOTENTIAL

In der ganzen Diskussion um die Kernkraft wird seitens der Befürworter aus Gründen der Public Relations seit langem der beschönigende Begriff "Restrisiko" benutzt. Beschönigend deshalb, weil uns damit suggeriert werden soll, bei dieser Technologie sei ein nahezu vernachlässigbares, harmloses berechenbares Risiko eines "Störfalles" (merke nicht eines "Unfalles"!) vorhanden. Dabei wird uns ebenfalls suggeriert, dass jede Technologie die Gefahr eines Restrisikos beinhalte. Selbstverständlich stimmt das so überhaupt nicht!

Gegner sollten sich strikte gegen die Verwendung des Begriffs "Restrisiko" stellen und in Zukunft an statt dessen den Begriff des "Risikopotentials" setzen. Dieser Begriff vermittelt viel besser die Gefahren, die mit der Anwendung der Kernkraft verbunden sind.

Tatsächlich ist es möglich für jede Technologie, ausser eben für die Kernkraft ein Risikopotential zu berechnen. Zum Beispiel kann bei einem Bruch eines Stauseedammes sehr präzise berechnet werden, welche maximalen Schäden möglich sind.

Die einzige Technologie, die die Berechnung eines Risikopotentials nicht erlaubt, ist die Kernenergie. Das haben uns der Unfall von Tschernobyl ebenso, wie der aktuelle Fall von Fukushima drastisch vor Augen geführt. Da gibt es kein harmloses blauäugiges "Restrisiko".

Die Kernkraftbefürworter geben sich zur Zeit bedeckt. Aber dennoch behaupten sie, das "Restrisiko" der Kernkraftwerke in der Schweiz sei "geringer" als in Japan mit siner Erdbeben- und Tsunamidichte. Dabei lassen sie geflissentlich ausser acht, dass zahlreiche andere, unvorhersehbare Risiken bestehen. Beispielsweise die Risiken von Terroranschlägen, Bränden, Überflutungen und last but not least menschliches Versagen wie bei der notabene privaten Tepco Company in Japan. Dass jedes solche "Restrisiko" sehr schnell aus dem Ruder laufen und sich zu einer Bedrohung mit globalem Risikopotential ausweiten kann, unterschlagen sie.

Es gibt keine "Restrisiko", sondern nur ein Risikopotential. Das unterscheidet die Kernkraft von jeder anderen Technologie.

Freitag, 6. August 2010

Sexualität: Marsch, zurück in die 50er Jahre!

Die Probleme mit der Pornografie und übrigens auch mit der Prostitution und der ganzen wieder darüber aufgeflammten Diskussion liegen auf einer vollkommen anderen Ebene.

Tatsächlich konnte die "Befreiung" der Sexualität in der Folge der 60er Jahre zu nichts anderem als zu einer hochgradigen Kommerzialisierung der Sexualität führen. Denn eine Befreiung der Sexualität hätte als absolut zwingende unabdingbare Voraussetzung eine echte Gleichstellung von Frau und Mann und damit die Neutralisierung des Patriarchats voraus gesetzt. Davon sind wir heute, im Zeitalter der globalen Hierarchisierung, weiter denn je entfernt!

Patriarchale Verhältnisse wie sie heute bestehen und sich sogar in den letzten Jahren noch verstärkt haben, schaffen zwingend die gesellschaftliche Diffamierung jeglicher Sexualität ausserhalb der intimen Paarbeziehung. Und damit auch ein künstliches Ungleichgewicht zwischen sexueller Nachfrage und sexuellem Angebot. Hinzu kommen die üblichen ebenfalls patriarchalen Rollenvorstellungen vom "starken" Mann und der "schwachen" Frau, wie sie neuerdings auch wieder und wieder und nicht zuletzt unter dem wachsenden kulturellen Einfluss der Süd-Nord-Migration kolportiert werden.

Nun können wir zwar, in gut konservativ-ideologischer Weise, wieder Verbote und Einschränkungen (ganz im Sinne der Diffamierung der Sexualität) fordern, wie wir diese bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kannten. Probleme werden damit allerdings keine gelöst. Und den Preis dafür würden einmal mehr die Frauen zahlen.

Pornografie und Prostitution und damit die ganze Sexualität würden damit bloss einmal mehr, nach dem Motto "aus den Augen, aus dem Sinn" in den Dunkelbereich der Kriminalität verschoben. Mit allen katastrophalen Folgen, wie wir diese aus vergleichbaren Bereichen, zum Beispiel dem mafiösen globalen Drogenhandel kennen.

(Patriarchale) Nachfrage und Angebot werden jedoch auch dann, trotz Prohibition, genauso wie seit 3000 Jahren weiterhin bestehen, denn die Sexualität ist eine faktische Kraft, die sich zwar bis zu einem gewissen Grad verdrängen und sublimieren, aber ebenso wenig wie Hunger und Durst abschaffen lässt. Denn ganz einfach: "Es gibt kein Leben ohne Sex" wie das Psychoanalytiker Jürg Acklin treffend bemerkte.

Nur wenn die Gleichstellung von Frau und Mann erreicht wird und damit die Diffamierung der Sexualität abgeschafft ist, werden sexuelle Nachfrage und sexuelles Angebot im Gleichgewicht sein. Und dann werden Pornografie und Prostitution kaum mehr als eine marginale Rolle spielen.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Virtualität ersetzt nicht Realität

Der grösste Trugschluss dem Kulturoptimisten zu Opfer fallen, ist die Meinung Virtualität könne Realität ersetzen.

Das beste Beispiel dazu ist die mediale Kommunikation, TV, computerbasierte Kommunikation, Handy, Bildtelefonie. Alle diese Medien erzeugen zwar die Illusion von Nähe, lassen uns meinen, wir befänden uns im "global village". Tatsächlich erzeugen sie bloss eine Illusion von Nähe, die der Realität in der wir uns befinden nicht standhält. Diese Illusion verformen wir willkürlich in unserem Kopf, ohne dass wir dabei emotional so betroffen wären, dass wir physische Konsequenzen daraus ziehen würden. Der grösste Horrorfilm, der brutalste Kriegsfilm erzeugt höchstens ein fröstelndes Prickeln in uns - voll tödlicher Angst aus dem Film, aus dem Kino, entfliehen, würden wir nie.

Offenbar sind wir genetisch so programmiert, dass nur Ereignisse, die in unserem unmittelbaren physischen Umfeld vorkommen, Handlungsreaktionen auslösen. Möglicherweise ist das auf Strukturen in unserem Hirn zurück zu führen, die ausschliesslich auf die Sippe, auf die uns unmittelbar umgebenden Menschen ausgelegt sind.

Diese Beschränkung unserer Handlungsimpulse dient sicherlich auch unserem individuellem Überleben, aber sie hindert uns auch wirkungsvolle Lösungen globaler Probleme anzugehen.

Haiti ist weit, weit, weg von uns. Dass die Menschen dort hungern und trotz Monsun in Zelten vegetieren, kümmert uns nicht, es ist nicht unsere Sippe.

Der Golf von Mexico ist weit, weit weg von uns. Dass dort Leben und die Lebensgrundlage von Millionen Tieren, Pflanzen und Menschen zerstört wird, interessiert uns nicht, es ist nicht unsere Sippe.

Längst haben wir mittels Medien die Grenzen unserer Sippen überschritten, doch mit den Problemen, die damit entstanden sind, kommen wir nicht klar, können wir nicht klar kommen.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Wieso die Menschheit dazu verdammt ist unterzugehen

Das Problem der Menschheit darin besteht, dass sie eigentlich und vermutlich biologisch bedingt nur in kleinen überschaubaren Sippen funktioniert. In Sippen in denen jedes einzelne Glied mit jedem andern in direktem Kontakt steht. Die Sippen sollten genügend grosse Reviere haben um untereinander möglichst wenig Kontakt zu haben.

Die ältesten Funde des Homo sapiens (sapiens sapiens) als einzigem Überlebenden der Gattung Homo innerhalb der Familie der Menschenaffen reichen kaum weiter als etwa 110'000 Jahre zurück. Zu Beginn der Entwicklung des heutigen Menschen dürfte sich dessen soziales Leben ähnlich abgespielt haben, wie wir dies von andern Primaten, den Schimpansen, der Gorillas oder den Bonobos kennen. In kleinen familiengeprägten Sippen mit klar strukturierter Ordnung und innerhalb genügend grosser Reviere, die all das boten, was zum Überleben der Sippe notwendig war (genügend Wasser und Früchte).

Durch die Entwicklung der Kognition (kulturelle Evolution, Wissensvermittlung und Selbstbewusstsein) konnte die natürliche biologische Grenze der Sippe überschritten werden. Klimaveränderungen und das Austrocknen der feuchten fruchtbaren Gebiete Europas, Nordafrikas, des Nahen Osten und von Zentralasien vor rund 7000 Jahren schränkten den Zugang zu natürlichen Ressourcen ein, was zu Wanderbewegungen, zu Auseinandersetzungen zwischen den Sippen und damit zum Übergang von egalitären, als friedlich angenommenen Verhältnissen zu gewaltsamen, kriegerischen Hochkulturen, zur Entstehung patriarchaler Herrschaftsstrukturen führte.

Patriachale Herrschaftsstrukturen stehen im Gegensatz zu übersichtlichen egalitären Sippenstrukturen und sind äusserst effizient auf Hierarchiebildung, Aneignung, Unterwerfung, Ausbeutung und Wachstum ausgerichtet. Sie führen zur blinden Ausbeutung der Ressourcen.

Trotzdem gibt es keine Möglichkeit zur ursprünglichen Sippen-Ordnung zurück und von der patriarchalen Herrschaftsstruktur ab zu kehren. Zu mächtig, zu stark sind diese Strukturen - und sie werden tagtäglich stärker und mächtiger. Längst funktionieren sie auf globaler Ebene. Tatsächlich bedeutet die Globalisierung nichts anderes als eine noch stärkere Implementierung patriarchaler Strukturen.

Damit hat die Menschheit insgesamt und als Ganzes verloren. Was uns bleibt, sind Überlebenskämpfe, gegenseitiges Abschlachten, die Ausrottung der letzten Ressourcen.

Wir können nicht zurück.

Samstag, 15. Mai 2010

Die Allgemeinen Menschenrechte stehen über allem, weil sie von geschundenen Völkern geschaffen wurden.

Für mich ist klar:

Die Allgemeinen Menschenrechte (AEMR) stehen über allen Rechtsgrundsätzen. Sie bilden das Fundament menschlicher Gemeinschaft. Und das Wunderbare, aber auch das Verletzliche daran ist, dass Sie nicht von einem, von irgend wem behaupteten oder erfundenen Gott, stammen. Sondern, sie sind von den geschundenen Völker des Zweiten Weltkriegs in Freiheit 1948 beschlossen worden. Verletzlich sind sie darum, weil sie eben von Menschen geschaffen wurden und daher auch von Menschen gewaltsam wieder wegbedungen werden könnten.

Sie sind kostbarstes und zerbrechlichstes Gut aufklärerischer Zivilisation. Wir sollten zu ihnen Sorge tragen und sie, zusammen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, zur Grundlage einer allgemeinen laizitären Ethik machen.

Die allgemeinen Menschenrechte via Demokratie-Verständnis in Frage zu stellen, wäre daher höchst gefährlich. Der Volkswille, wie er in der Absolutistischen Demokratie zum Ausdruck käme, kann dem gegenüber durchaus willkürlich sein und ist vorallem der Manipulation von Macht, Geld und Information ausgeliefert.

Dienstag, 4. Mai 2010

Vermummung entmenschlicht. JA zum VERMUMMUNGSVERBOT. Nein zu Niqab und Burka

Die Auseinandersetzung über ein Verbot von Niqab und Burka ist eine eminent politische über Menschlichkeit und grundlegende Menschenrechte und keine formaljuristische über Diskriminierung oder Einschränkungen der Religionsfreiheit.

Das Gesicht ist die wichtigste Kommunikationsschnittstelle in der zwischenmenschlichen Beziehung. Das Gesicht zu verhüllen bedeutet in jeder menschlichen Gesellschaft, sich der zwischenmenschlichen Kommunikation zu entziehen, sich zu anonymisieren, seine Identität zu verbergen.

Das macht kein Mensch "freiwillig", ausser, er hat etwas zu verbergen, er fürchtet sich oder er gehört einer Kultur an, die dies von ihm verlangt. Verbrecher verhüllen das Gesicht, Polizisten aus Angst vor Vergeltungsakten und Frauen, die sich als Eigentum ihrer Männer betrachten - selbst wenn sie diesen patriarchalen Anspruch ihrer Männer verinnerlicht haben.

Auch Religionen haben ihre Grenze an den Allgemeinen Menschenrechten zu finden.

Doch genau hier liegt die politische Brisanz dieser Auseinandersetzung.

Die Organisation der Islamischen Konferenz (IOC), der die 57 grössten und bedeutensten Staaten in der der Islam bestimmende Religion ist, setzte 1990 in ihrer Erklärung der Menschenrechte im Islam die Schari'a (die islamische Gesetzgebung) über die Allgemeinen Menschenrechte.

Hier prallen zwei grundsätzliche und in ihrem Anspruch absolutistische Rechtsauffassungen aufeinander, die sich auch jeglicher demokratischen Legitimation entziehen: Auf der einen Seite die Auffassung nichtverhandelbarer, absoluter Menschenrechte, wie sie von der geschundenen Völker des zweiten Weltkrieges 1948 in der UNO verabschiedet wurden. Auf der andern Seite der universelle Anspruch der "gottgegebenen" Schari'a als heiliger die Gesellschaftsordnung bestimmender Begriff des Islams.

Ein Ja zur Vermummung bedeutet ein Ja zu Niqab und Burka und damit ein Ja zur Schari'a als Alternative zu den Allgemeinen Menschenrechten. Es bedeutet, dass wir akzeptieren, dass der fundamentalmuslimische Mann, der fundamentalmuslimische Familienclan die muslimische Frau in ein schwarzes Gefängnis aus Tuch steckt, aus dem sie sich ohne unsere solidarische Unterstützung nicht befreien kann. Es bedeutet die Akzeptanz des Aufbaus einer Parallelgesellschaft mit den unsern diametral entgegengesetzten kulturellen Werthaltungen.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Wir haben kein Werte-Defizit, sondern ein Ideologie-Defizit

Es gibt im menschlichen Sein und Dasein keine wertfreien Räume. Jeder von uns hat Werte, jeder hat Vorstellungen darüber, wie die Welt ist oder sein könnte, wie das Zusammenleben mit seinen Mitmenschen funktioniert oder gestaltet werden müsste. Jeder von uns hat Vorstellungen über Endlichkeit und Unendlichkeit und unseren Stellenwert im Universum. Vorstellungen begründen unsere Orientierung, unser Zurechtfinden, unsere Identität.

Der Mensch braucht Wertvorstellungen, sie machen seine Identität aus, sie begründen wie er für sich die Umwelt und sein Agieren in dieser, deuten kann. Wertvorstellungen begründen sein Orientierungssystem, seine "Weltanschauung", die er verinnerlicht, in der er sich geborgen und sicher fühlt.

Weil der Mensch Wertvorstellungen und Weltanschauungen braucht, gibt es Ideologien. Sie sind nichts anderes als "organisierte" Weltanschauungen, auf der Basis von mehr oder weniger einsichtigen Dogmen von Menschen geschaffene, immanent in sich stimmige Wertsysteme.

Ideologien übernehmen in Religionen und Kirchen, politischen Bewegungen und Parteien für den Einzelnen die Deutung seines Seins und seines Daseins. Ideologien liefern ihm Grundsätze und Verhaltensregeln, sagen ihm was "gut" und "bös" ist. Ideologien entlasten den Menschen vom täglichen Nachdenken. Über gemeinsame Riten begründen Ideologien Gemeinschaften und Paradigmen, vermitteln Wärme, Sicherheit und Geborgenheit. Ideologien sind Kitt in der Gesellschaft.

In den westlichen Industrie-Nationen, in unserer Gesellschaft von heute, buhlen zahlreiche Weltanschauungen um den Menschen. Das Abendland mit seinem freien, uneingeschränkten Informationsaustausch ist zu einem freien unverbindlichen Markt der Weltanschauungen geworden, wo sich heute jeder selbst bedienen kann und seine privaten Seins-Vorstellungen beliebig zu einem individuellen Puzzle zusammenstellen kann.

Das ist gut so und das funktioniert auch, solange sich Weltanschauliches auf den privaten Bereich reduziert und mit dem Gedanken der Toleranz gegenüber dem Mitmenschen verbunden ist. Es funktioniert, solange eine Gesellschaft mehr oder weniger in sich selber ruht und auf ein mehr oder weniger solidarisches Wertkonglomerat zurückgreifen kann. Weltanschauung ist dadurch zur individuellen unverbindlichen Privatsache geworden.

Wir glauben die Ideologien damit überwunden zu haben. Grossartige "weise" unreflektierte Beliebigkeit ist Trumpf. Alles ist gut, jeder hat Recht, anything goes sind Trumpf. Die traditionellen Kirchen und Parteien, die unter deiser Entwicklung immer mehr auf die Unverbindlichkeit ihrer Werte gesetzt haben, verlieren ihre Mitglieder, sie zersetzen sich, lösen sich geistig auf, machen sich überflüssig.

Doch die damit verbundene Meinung Ideologien überwunden zu haben, ist falsch und wir bezahlen diesen überheblichen Standpunkt mit einem hohen Preis, spätestens dann, wenn wir mit "fremden" Ideologien konfrontiert werden, die nicht unserem allgemeinen und diffusen Wertkonsens entsprechen. Denn diese Konfrontation mit festgefügten Wertsystemen löst Ängste aus und Furcht vor Identitätsverlust, Wurzel- und Wehrlosigkeit. Und sie treibt uns geradewegs in die Arme derer, die mit diesen Ideologien, derer die mit Verbindlichkeiten hausieren.

Längst haben ideologische Organisationen dies erkannt und blasen zum Angriff gegen die "Ideologielosigkeit" der Beliebigkeit. Längst machen sie mobil, zur gezielten Durchsetzung bestimmter Wertsyteme, zur Re-Ideologisierung. Es sind dies fundamentalistische evangelikale Freikirchen, islamische Organisationen, es sind Sekten wie die Scientologen, Verschwörungstheoretiker, es sind Parteien mit ausgeprägten Werthaltungen am linken und rechten Spektrum. Diese Organisationen füllen mehr und mehr das Vakuum der Beliebigkeit der Wertvorstellungen auf – und sie sind erfolgreich, denn sie vermitteln den Menschen was jeder braucht: Gemeinschaft, Wärme, Sicherheit und Geborgenheit.

Das Zeitalter der Beliebigkeit, das Zeitalter der Losgelöstheit von Ideologien neigt sich dem Ende zu und die "wertfreien" Vorstellungen der Beliebigkeit und Unverbindlichkeit sind zum Schweigen und zur Unterwerfung unter die klaren, gemeisselten Vorstellungen der sich durchsetzenden Ideologien gezwungen.

Was ist in dieser Situation zu tun?

Es bleibt uns nur eines: Wir müssen uns selber ideologisieren.

Wir müssen das, was uns "Nicht-Ideologisierten" wichtig ist, einen kleinsten gemeinsamen Nenner zentraler Werte, in ein verbindliches Wertsystem organisieren, und den uns entgegenbrandenden Ideologien entgegensetzen. Der Fundus aus dem wir unsere Werte schöpfen können, ist vorhanden: Es sind die allgemeine, plausible, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und es sind die Allgemeinen Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948, die als Reaktion auf die fürchterlichen Ereignisse des zweiten Weltkriegs beschlossen worden sind.

Wir müssen diesen Menschenrechten ihren fundamentalen, universellen Anspruch zurückgeben und diesen Anspruch gegen jene irrationalen Heilslehren verteidigen, die uns von allen Seiten bedrohen. Dann, und nur dann, wenn wir selber ideologisch aufrüsten, kann es uns gelingen, die die Freiheit, Gleichberechtigung und Solidarität aller Menschen bedrohenden Ideologien in die Schranken zu weisen.

Das Comeros-Projekt ist der Versuch eine solche freiheitliche Ideologie des kleinsten gemeinsamen Nenners zu schaffen.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Keine Religionssymbole in Ämtern und Schulen!


Die politischen Auseinandersetzungen der letzten Wochen haben uns deutlich gezeigt, dass hinsichtlich des Umgangs mit religiösen Minderheiten in unserem Land grosse Unsicherheiten herrschen.

Dies gilt auf sämtlichen Stufen des Verwaltungsaufbaus, vom Bund bis hinunter zu den Gemeinden. Auf der einen Seite werden Gesetzes-Regelungen mit durchaus diskriminierendem Charakter, wie der Minarett-Artikel, beschlossen. Auf der andern Seite wird der Umgang beispielsweise mit Burkas an öffentlichen Schulen (Schülerinnen und Lehrpersonen betreffend) völlig unterschiedlich gehandhabt und damit die Rechtsgleichheit tangiert. Das Gleiche gilt im Umgang von Amtsstellen mit verhüllten Personen, wie das Beispiel Grenchen zeigt.

Um bezüglich dieser Misstände im öffentlich-rechtlichen Raum Abhilfe und damit die Basis einheitlicher, nicht diskriminierender Regelungen zu schaffen, stellen wir den Vorschlag eines zusätzlichen Absatzes 4 zum Art. 72 Kirche und Staat in der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft zur Diskussion.

Mit diesem BV-Artikel ist es möglich – ohne irgendwelche Diskriminierung – und ohne irgendwelche Einschränkung der Freiheit im privaten und öffentlichen Raum eine verbindliche Regelung für den Umgang mit weltanschaulichen und religiösen Symbolen für öffentlich-rechtliche Institutionen zu schaffen.

Damit wird auch die Laizität der Bundesverfassung gestärkt, was wichtig und bedeutend im Hinblick auf kommende religiös-politische Auseinandersetzungen sein dürfte. Es würde uns freuen, wenn ihr die definitive Formulierung eines solchen Artikels für die Einreichung einer Volksinitiative auf diesen Seiten mit uns diskutieren würdet.

Sonntag, 13. Dezember 2009

"Toleranz"-Artikel, statt Minarettverbot?

Zwei renommierte schweizer Rechtsprofessoren, Jörg Paul Müller und Daniel Thürer, schlagen vor, den geltenden Minarett-Artikel in der Bundesverfassung durch einen "fortschrittlicheren" Toleranzartikel zu ersetzen.

Das ist zwar durchaus gut gemeint, aber er schiesst am Ziel vorbei, ist völlig unpräzis und führt zu einem unübersehbaren Interpretationsspielraum. Der Artikel würde unsere Gerichte auf Jahre hinaus auf das Intensivste beschäftigen. Zudem kann er durchaus zur Einschränkung individueller Freiheiten des Einzelnen in der Öffentlichkeit missbraucht werden!

Besser wäre es, mehr Laizismus in unserer Verfassung zu implementieren. Mein Vorschlag dazu, wäre die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft wie folgt zu ändern

Art. 72 Kirche und Staat, Absatz 4 (neu, bzw. als Ersatz für Abs. 3):

"4 Das Aufstellen oder Zur-Schau-Stellen weltanschaulicher oder religiöser Symbole ist in amtlichen Lokalen und in öffentlichen Schulen verboten. Davon ausgenommen ist die Ausstellung in historischem oder wissenschaftlichem Zusammenhang."

Das wäre eine ähnliche Lösung, wie sie Frankreich kennt